Vorwort

Frau, die wartet, bin ich
Frau, die weissagt, bin ich
Frau, der Gerechtigkeit bin ich
Frau, des Gesetzes
Frau, des Kreuz des Südens bin ich
Frau, des ersten Sterns bin ich.
Denn ich steige hinauf in den Himmel.

Marina Sabina in Tedlock, Barbara „Die Kunst der Schamanin“*

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Einer meiner typischen Charakterzüge ist mein brennendes Interesse daran, den Dingen auf den Grund zu gehen. Als Kind habe ich meinen Eltern endlos Fragen gestellt. Die Meisten konnten sie nicht beantworten. Eine meiner berühmtesten Fragen ist, warum Kühe keine Unterhosen anhaben? Das fand ich unfair angesichts der Tatsache, dass ich sie anziehen musste.

Im Kindergarten verstand ich teils gar nicht, worum es bei unseren Beschäftigungen ging. Kochen und Gartenarbeit waren nicht dabei. Vieles, womit der Tag gefüllt war, schien mir unwichtig. Hatte ein Kind Mühe zur Gruppe zu gehören, mitzukommen, verlor es stets beim Spielen habe ich es spontan getröstet und gewinnen lassen. In der freien Natur, wenn wir uns bewegten, draußen spielten, blühte ich auf und tobte mich aus. Und sobald wir Kerzen anzündeten, beteten und gemeinsam still wurden, kam ich zur Ruhe. Je älter ich wurde desto deutlicher spürte ich, dass mich irgendetwas von meiner Umgebung, meinen Mitschülern unterschied. Ich fühlte mich eher zu Außenseitern, zu Menschen hingezogen, die keine Herdentiere waren. Von meiner Kunstlehrerin wurde ich wütend vor der ganzen Klasse diffamiert. Sie bezeichnete mich als Don Quijote der Kunst, was ich gar nicht schlecht fand. Ich folgte ihren Motivvorgaben nur selten, setzte andere Prioritäten. Bei der Wahl meines Berufsziels war es ebenso. Erfolg und Karriere schreckten mich eher ab. Sie eigneten sich schlichtweg nicht als Hauptantrieb für mich.

Es war nicht einfach zu mir zu stehen. Ich erkannte, dass in mir eine unüberhörbare, alte und vertraute Sehnsucht, eine tiefe Dringlichkeit nach etwas wohnt, das ich nicht benennen konnte. Doch schließlich und endlich fand mich meine Berufung. Ich begann Menschen zu unterstützen, indem ich sie in Krisenzeiten beriet und begleitete.

Das Redebedürfnis der Menschen überraschte mich. Und so habe ich es am Anfang öfter so empfunden, als ersetzte ich den Pfarrer im Dorf, den die Kirche eingespart hatte. Der Unterschied war, dass Einige heimlich zu mir kamen. Doch inzwischen denke ich, dass wir weisen Frauen vorher da waren und der Pfarrer zwischenzeitlich versucht hat uns zu ersetzen.

Mir war bald klar, dass ich, um mit meinen Klienten arbeiten und ihre Energie erfassen zu können, zusätzlich zu meiner natürlichen intuitiven Begabung, weitere gute Werkzeuge und Wissen brauchte. Ich wollte in der Lage sein, die Puzzleteile, die in einer Sitzung sichtbar werden, zu einem Ganzen zusammenzufügen. Deshalb sind Methoden, die sowohl auf der physischen als auch auf der psychischen und seelischen Ebene greifen, meine wichtigsten Verbündeten und Begleiter. Sie helfen mir bei der Suche nach den Ursachen für die aktuelle Situation der Person und nach möglichen Bewältigungs-strategien. Am Anfang hatte ich nur meine Tarot Karten und als Zweites meine schamanische Trommel, mit der ich in die Nichtalltägliche Wirklichkeit, kurz NAW, reise. Beide verleihen mir zuverlässig die Flügel und die Kraft mich zu orientieren.

Eine weitere, wertvolle Gefährtin wurde die Astrologie. Sie öffnet mir die Tür zu den grundsätzlichen Lebensthemen eines Menschen. Außerdem gibt sie mir die, für mich sehr wichtige, Möglichkeit das Horoskop Bild gemeinsam mit meinem Gegenüber zu betrachten. In dem Moment, in dem wir den ersten Blick darauf werfen, um es visuell zu erarbeiten, kann ich spüren, wie groß die Bereitschaft des Ratsuchenden ist, sich zu öffnen. Die Art wie er reagiert, dieser erste Kontakt, vermittelt mir, welche Nähe, welche Intensität und welche gemeinsame Gangart möglich ist.

Ich bin also nicht hauptberuflich und hauptsächlich Astrologin. Die Astrologie ist bei meiner Spurensuche nach den inneren Räumen, der individuellen Lebensaufgabe und zuden im Verborgenen liegenden Botschaften der Seele einfach ein wichtiger Schlüssel für mich.

Einige nahe Freunde haben sich eine Zeitlang sehr für die Astrologie interessiert. Sie legten sie dann wieder beiseite. Bis dahin hatte sie ihnen geholfen, sich besser zu verstehen. Außerdem hatten sie mit ihrer Hilfe in einer schwierigen Lebensphase, wichtige Antworten auf dringende Fragen gefunden. Mit der Zeit wandten sie sich anderen Themen zu. Sie waren zu beschäftigt, um zu fragen, was die Sterne mit ihrer gegenwärtigen Situation zu tun haben. Doch irgendwann fiel es ihnen wieder ein, z.B. in den Wechseljahren. Also holten sie das Geburtshoroskop wieder hervor. Dabei stellten sie fest, dass es Ihnen neue Perspektiven eröffnete. Sie konnten Zusammenhänge herstellen, die sie bisher nicht gesehen hatten und entwickelten ein tieferes Verständnis für das zwischenzeitlich Erlebte.

Diesen Umgang mit der Astrologie empfinde ich als natürlich. Es ist gut, wenn sie einen Platz im Leben hat, das eigene Horoskop zu kennen. Doch sie sollte nicht überbewertet werden. Fragen nach meinem Sternzeichen, bei der ersten Begegnung, mag ich gar nicht. Wer mich kennt, weiß dass mir schon eine Antwort einfällt, wie: ich bin Sternzeichen Eichhörnchen mit Nashornaszendent.

Mein zentrales Anliegen ist, dass jeder Mensch gut orientiert ist und seine Verbindung, innerhalb des Großen Ganzen, zwischen der spirituellen Ebene und dem täglichen Leben, ausgewogen ist. Denn unsere materielle Gesellschaft vernachlässigt die seelische Ebene und unserem Alltag fehlt die Magie, das Bewusstsein für die feinstofflichen Energien, der andere Blick. Mich bewegt, wie wir das Urvertrauen entwickeln können, dass uns bei der Bewältigung unserer wesentlichen Lebensthemen unterstützt. Welchen Sinn hat das Ganze?Was strebt in diesem Leben nach Heilung, was steht im Moment an und was ist der nächste, mögliche Schritt?Es mangelt an gesellschaftlichen Ritualen, die Lebensübergänge unterstützen. Die Zeit ist reif, dass wir wieder in Kontakt gehen mit ihrer Kraft und das innere sowie äußere Geschehen, das Gesetz von Karma verstehen. Meine Konzentration gilt stets der Hinwendung zum Menschen, mit Herzensweisheit, getragen von dem, was im Buddhismus als Bodhicittabezeichnet wird. Der achtsame, schrittweise Zugang zu seinem Geburtshoroskop ist ein Ausdruck dafür.

Ich möchte Ihnen, liebe/r Leser-/in, meinen Ansatz näherbringen. Ich weiß, dass Sie dazu fähig sind, das Bodhicitta in sich zu aktivieren. Wir werden als ersten Schritt lernen, genau hinzuschauen und die Mitteilungen der Sterne, auf eine ganz unkomplizierte Art und Weise, zu entziffern.

So werden Sie in diesem Buch keine festgelegten Deutungen finden. Auch wenn sich das gut verkauft. Die Astrologie ist nur wirklich von Nutzen, wenn wir keine Stempel aufdrücken. Bei meinem spirituellen Ansatz geht es darum, einfach zu verstehen, was ist. Wir werden fragen, welchen Sinn hat die jeweilige Anordnung, was sehen wir auf dem Horoskop Bild und welche Seelen-Botschaft können wir wahrnehmen.

Die spirituelle Herzensweisheit – Die dritte Ebene

Der Weg, den wir in diesem Buch gemeinsam gehen werden, liegt zwischen dem Wissen einerseits und dem intuitiven Erfassen des Horoskopes andererseits. Sie werden überrascht sein, welche Kraft dieser Zwischenraum hat. Er wird spürbar, sobald wir uns mit der eigenen Herzensweisheit verbinden und sie einbringen. Dabei sollten wir uns stets vergegenwärtigen, dass es nicht für alle Probleme eine Lösung und nicht auf alle Fragen eine Antwort gibt.

Das Wissenund die Intuition bilden die Basis, aus der heraus die Konzentration nach oben, auf die Herzensweisheit, erfolgt. Ihre liebevolle, mitfühlende Kraft ist geprägt von einer wertfreien, nicht urteilenden Offenheit für die seelische Botschaft des Menschen, dessen Horoskop wir deuten. So entsteht das Bild eines Dreiecks, in dessen Mitte sich das Auge des Horus befindet. Er ist das Kind von Isis und Osiris.

Das Horusauge, das Auge der Weisheit, das dritte Auge, liegt in der Mitte unserer Stirn über der Nasenwurzel. Es bildet ein Dreieckmit den zwei Augen, deren Blick nach Außen gerichtet ist. Wir können es aktivieren, indem wir die Augen schließen und die Konzentration, den inneren Blick auf das 3. Auge nach oben richten. Die Augäpfel bewegen sich dabei zur Mitte, zur Nasenwurzel, hin. Atmen sie dabei ruhig. Spüren Sie wie ihr Atem entlang der Nasenwurzel kommt und geht. Strengen Sie sich dabei nicht an. Dann öffnet sich das Auge der Erkenntnis.

Anschließend stellen Sie sich ein Dreieck vor. Die untere Linie ist die stabile Grundlage. Oben an der Spitze des Dreiecks herrscht Leben, ist ein warmes Licht. Stellen Sie sich das Ganze als Einheit in der Form einer Pyramide vor. Die Schwingung, die entsteht, schafft Raum für die spirituelle Dimension im Zentrum. Dort befindet sich der Punkt Phi. Spüren Sie auch hier hin, was passiert. Denn sobald Sie den Weg zu dieser Kraft beschreiten, öffnet sich die Tür zu dem kostbaren Ort, an dem die Seele spürbar ist.

An diesem Ort gelten ihre Gesetze von Zeit und Raum, spricht sie ihre eigene Sprache. Wir alle haben, tief in uns, eine Ahnung davon. Nun erwecken wir diesen Ort zum Leben, betreten ihn. Der Schlüssel, zu seiner Tür, ist, dass wir mit Demut und Respekt an die Horoskop Deutung herangehen, jeglichen Stolz hinter uns lassen. Unsere innere Haltung entspricht dem ewig Übenden, Dazulernenden. Wir sind bereit, offenen Herzens, geduldig Erfahrungen zu sammeln. Und wir öffnen uns konsequent für den Zwischenraum, in dem es weder ein Losgehen noch ein Ankommen gibt. Was zählt, ist einfach das Sein, das meditative Gehen und die Präsenz im Hier und Jetzt.

Glauben Sie mir, ich habe es bei meinen Teilnehmern erlebt. Es macht Spaß, sich auf das Abenteuer der spirituellen Horoskop Deutung einzulassen. Machen wir uns gemeinsam auf, achtsam und genau hin zu sehen, ruhig hin zu spüren und hin zu hören.

Eine indianische Geschichte

Bevor Sie weiterlesen,möchte ich eine indianische Geschichte von der Initiation mehrerer junger Schüler und Schülerinnen in die Welt der Erwachsenen erzählen. Sie passt gut zu dem vorher Gesagten.

Die ihnen auferlegte Einweihung war mit einer Menge Strapazen und Härten verbunden. Ihre letzte Prüfung bestand aus einem schwierigen, mehrere Tage dauernden Wettlauf durch unwegsames Gelände. Es ging durch Wald und Fluss, über die Berge und die Täler. Die einzelnen Teilnehmer wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten losgeschickt, um sich nicht aneinander orientieren zu können. Das verlangte ihnen zum Abschluss, auf mehreren Ebenen, noch einmal das Äußerste ab.

Eine Teilnehmerin dieser Initiation fühlte sich die ganze Zeit sehr unsicher, ob sie den richtigen Pfad gewählt hatte. Nur einmal wurde sie überholt. Am zweiten Tag lag am Waldrand unübersehbar ein verwundetes Reh, das stark blutete. Sie zögerte, kämpfte mit sich was zu tun sei und gab schließlich ihrem spontanen Impuls, dem Tier helfen zu wollen, nach. Sie wusste, dass sie dabei wertvolle Zeit verlieren würde. Doch sie kümmerte sich mit Heilpflanzen, die sie fand, um seinen verwundeten Lauf, umwickelte ihn, so gut sie konnte, tat, was im Bereich ihrer Möglichkeiten war.

Als sie erschöpft, doch sicher ihr Bestes gegeben zu haben, im Ziel ankam, waren

alle anderen Teilnehmer schon da. Sie war überzeugt, dass sie verloren hatte. Umso größer war ihre Überraschung und ihre Freude, als man ihr sagte, dass nur sie die letzte und schwierigste Prüfung bestanden hatte. Sie hatte als Einzige alle Aufgaben erfüllt.

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